Es ist der 25.07.2021, mein erstes Konzert nach fast eineinhalb Jahren. Am Cruise Center in Hamburg-Steinwerder fand das letzte Strandkorb Open Air für dieses Jahr in Hamburg statt. Die Idee, der HockeyPark Betriebs GmbH & Co KG aus Mönchengladbach, hatte im letzten Jahr mit diesem tollen Konzept Live-Musik wieder auf die Bühne gebracht. In 2021 waren auch einige Konzerte in Hamburg. Heute gaben sich Beyond The Black die Ehre! Als Special Guest waren Kissin´Dynamite mit von der Partie. Kein Wunder, dass das Gelände voll war mit schwarz gekleideten Menschen. Die Sause ging schon auf dem Parkplatz los. Freudiges Gerufe und jede Menge Leute aus der Metal-Familie, die sich so lange nicht gesehen hatten. Was für ein Gefühl. Und als ich die Bühne sah, Freude pur! Im Infield ging es dann weiter. Einige der Fotograf:innen und Secu-Leute kannte ich und es gab ein großes Hallo. Ich hatte einen eigenen Strandkorb links von der Bühne bekommen, am Rand der Fläche und war somit relativ weit vorn. Von dort konnte ich als Rollstuhlfahrer gut sehen und mein Fotoequipment ablegen. Das nur alles vorweg geschickt, schließlich bin ich ja wegen der Musik hier. Das Intro von Kissin´Dynamite begann überpünktlich – aber ne wartet mal, da war noch etwas vorher: Was ich zuvor noch nie selbst auf einem Metal-Konzert erlebt habe, war ein KissCam-Wettbewerb. Das am besten küssende Paar bekam einen Geldpreis. Es wurde per Applaus abgestimmt. Ist das was für Metalheads?

Zurück zum Auftritt von Kissin`Dynamite. Die Jungs haben sich augenscheinlich ziemlich verändert. Ich meine nicht nur der Wechsel am Schlagzeug. Ziemlich überraschend für mich, hatte Andi Schnitzer seinen Ausstieg bei Kissin`Dynamite bekannt gegeben. Ich war gespannt wie Sebastian Berg sich in die Band einfügen wird. Kleiner Spoiler – super tat er das! Er ist ein großartiger Drummer. Jim Müller hat sein Outfit ziemlich radikal verändert. Ich hörte von einigen sogar, dass sie ihn gar nicht erkannt haben. Ich finde den Look super. Sein Gitarrenspiel und die Bühnenpräsenz waren top wie immer, auch gibt es ja nicht mehr viele, die eine TalkBox auf der Bühne einsetzen. Ja und Steffen Haile hat die Haare ab, was ist bloß los? Nur die Brüder Hannes und Ande Braun sahen aus wie immer. Dies alles vorweg – genug Gossip! Musikalisch hat sich übrigens nichts verändert. Stadionrock at it best. Kissin`Dynamite haben das Konzert mit „I’ve Got the Fire“ eröffnet und wurden sofort gefeiert. Völlig zu recht. Mit großer Spielfreude ging es los und das hörte auch bis zum Schluss nicht mehr auf. Man merkte den Jungs an, dass sie wieder richtig Bock hatten, auch wenn es nicht das erste Konzert war, das sie vor „echtem“ Publikum spielten. Hannes war wie immer Frontsau und animierte das Publikum. Leider war das Publikum, ob der Menge der Menschen, gesanglich nicht so eine Bank wie vor der Pandemie. Denn auch wenn fast alle der 600 Strandkörbe mit jeweils zwei Personen besetzt waren, waren natürlich lange nicht so viel Leute vor Ort, als unter „normalen“ Umständen. Aber gesungen und getanzt wurde trotzdem und zwar heftig. Nicht nur den Musikern fehlten in den vergangenen eineinhalb Jahren die Konzerte, das war ganz deutlich zu spüren. Eine Stunde dauerte sodann mein erstes Konzert seit Beginn der Pandemie und es war großartig. Kissin´Dynamite sind live einfach großartig. Okay, Jim´s kleiner Patzer bei „Heart of Stone“ – das macht die Band nur noch sympathischer. Apropos „Heart of Stone“. Die Ballade hat Hannes aber sowas von einfühlsam gesungen und auf dem Piano gespielt, dass mir eine Gänsehaut runter ging. „I will be King“ durfte im Set auch nicht fehlen. Die rote Schleppe und der silberne Thron macht schon was her. Und der Song ist für so ein Event auch genau das richtige, Stadionrock eben! Mit den beiden Songs „You`re not alone“ und mit „Fyling Colours“ endete der furiose Auftakt des Abends. Schade, hätte gerne länger sein dürfen. Aber es kam ja schließlich noch eine Band.

Setlist Kissin`Dynamite:

I’ve Got the Fire / Somebody’s Gotta Do It / Love Me, Hate Me / DNA /  Sex Is War / Heart of Stone / Waging War / I Will Be King / You’re Not Alone / Flying Colours

Nach einer kurzen Umbaupause ging es mit Beyond The Black weiter. Auch hier gab es ein neues Gesicht auf der Bühne. Nachdem Stefan Herkenhoff nicht mehr als ständiges Mitglied der Band zur Verfügung steht, haben sich Beyond The Black entschieden mit Session-Musikern am Bass weiterzumachen. Nachdem in Köln Stefan am Bass war, hat in Hamburg wieder mal Linus Klausenitzer den Part am Bass übernommen. Eröffnet haben Beyond The Black sodann mit “Horizons” dem Opener des aktuellen Albums gleichen Namens. Frontfrau Jennifer Haben zeigte sich dabei in dem schwarzen Lackoutfit, das sie in der ersten Videoauskopplung des Albums „Horizons“ zu „Misery“ trug. Ich sag mal so, sie kann das tragen. Die Reise ging weiter mit „Hysteria“ dem Opener des 2018er Albums „Heart of the Hurricane“. Yeah, was für ein Auftakt. Musikalisch war die Band sofort voll da, ebenso das Publikum.

Es ging munter weiter mit Songs aus allen Epochen der Band. Zum Song „Human“ wechselte Jennifer das Outfit auf ein langes rotes Kleid. Komisch, im Video hatte sie doch die meiste Zeit etwas schwarzes an. Der eingängige Refrain wurde von vielen aus voller Kehle mitgesungen. Im Anschluss, weil sich eben alle ausgepowert haben, wurde es ruhiger. Beyond The Black präsentierten zwei Songs aus ihrer W:O:A Acoustic Clash Wette mit Thomas Jensen. Dazu wurde auch die Backline umgebaut. Es kam ein Cajon, eine Querflöte, eine Mandoline und eine akustische Gitarre auf die Bühne. Zuerst kamen bei „To Hell and Back“ alle Sabaton-Fans auf ihre Kosten. Vereinzelte „Noch ein Bier“-Rufe kamen zwar bei Jennifer nicht an, sorgen aber in der Umgebung für Heiterkeit. Danach folgte mit dem Maiden-Cover „The Trooper“ ein absoluter Metal-Klassiker. Auch wenn beide Songs in ungewöhnlichen Versionen daherkamen, na gut, das war ja auch ehedem der Plan von Thomas Jensen, feierten alle die Acoustic-Nummern ordentlich ab. „Unbrocken“ mit einem schönen Piano-Intro von Jennifer, war der Auftakt zum zweiten Teil der Konzertes nach dieser schönen Überraschung. Die Band blieb sich auch im weiteren Verlauf treu und spielte sich weiter durch die vorhandenen Alben. Vorletzter Song war mit „Wounded Healer“ mein Lieblingssong des aktuellen Albums. Das Set endet dann mit „In The Shadow“. Fun Fact: Mit der Nummer haben Beyond the Black ihr Wacken Konzert von 2019 angefangen. Unwichtiges Wissen vor Acht, wie meine Liebste immer zusagen pflegt. Ich hingegen finde so etwas aber witzig! Achja, es gab noch zwei Zugaben. „Shine and Shade“ und zum Abschluss sang der ganze Platz noch mal aus voller Kehle „Hallelujah“. Und das beschreibt das Konzerterlebnis wirklich gut.

Zum Ausgang ging es dann immer Strandkorbmäßig. Die Strandkörbe wurden mittels Bingo ausgewählt und die jeweiligen Nummen wurden dann an den Videowalls angezeigt. Die Idee war super. 

Setlist Beyond the Black:

Horizons / Hysteria / Songs of Love and Death / Golden Pariahs / Heart of the Hurricane / Human / To Hell and Back (Sabaton cover) / The Trooper (Iron Maiden cover)  / Unbroken / Written in Blood / Lost in Forever / When Angels Fall / Wounded Healer / In the Shadows / Encore: Shine and Shade / Hallelujah 

PhotoCredits / Berichterstattung: Björn Schulz (Metal Rollz)