Während in gefühlt allen anderen Ländern die Konzerte mehr oder minder schnell wieder losgehen, hängt Deutschland leider immer noch etwas nach. Nichtsdestotrotz wollten es sich GHØSTKID nicht nehmen lassen, endlich ihr Debutalbum ausgiebig zu feiern und daher sind sie aktuell mit ihrer „Social-Distancing-Tour“ hierzulande unterwegs. Wir von NIC Nordmensch in Concerts konnten uns diese seltene Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und waren für Euch in Würzburg vor Ort.

Nach einer verregneten und recht anstrengenden Fahrt und der verzweifelten Suche nach Kleingeld, um den lediglich auf Münzen ausgelegten und teuren Parkautomaten vor der Posthalle Würzburg zu füttern, stellte ich zu meiner Freude fest, dass das Social-Distancing-Konzept der Vorfreude der Fans scheinbar keinen Abbruch tat. So standen bereits etwa 50 Personen vor der Halle und unterhielten sich, dem Regen zum Trotze, untereinander oder gar mit den Bandmitgliedern, die immer mal wieder vorbeischauten. Nachdem zur geplanten Öffnungszeit um 19.00 Uhr immer noch keine Tür geöffnet wurde, mussten wir leider recht schnell feststellen, dass das laminierte Blatt am vermeintlichen Eingang wohl vom Regen aufgeweicht und nahezu unleserlich geworden war. Mit vereinten Kräften wurde dann aber doch schnell entziffert, dass sich der Eingang auf der Rückseite des Komplexes befindet. Also nahmen alle die Füße in die Hand und machten sich gemeinsam auf den Weg. Dort angekommen musste selbstverständlich noch pandemiekonform die Zutrittsberechtigung gemäß 3G-Regelung überprüft und gegebenenfalls ein Sitzplatz zugewiesen werden und schon waren alles bereit und die Leute voll Freude auf ihr, größtenteils, erstes Konzert seit eineinhalb Jahren.

Überpünktlich ging es dann auch um kurz vor 20:00 Uhr bereits mit CASINO BLACKOUT los. In rund 30 Minuten gab die Punkrock-Formation ganze acht Songs zum Besten und ließ sich dabei kein bisschen von der nur „halb“ gefüllten Halle stören. Voller Energie und Spaß an der Sache spielten sie was das Zeug gab und motivierten die vorderen Reihen gar stellenweise zu einem Sitzmoshpit. Auch um Scherze war man nicht verlegen und so wurde kurzerhand vorgeschlagen, einen beim Bühnenaufbau wohl auf dem Ego Riser vergessenen Koffer kurzerhand als „Überraschungs-Schminkkoffer“ am Merch zu verkaufen, allerdings ohne Garantie, ob sich nicht doch ein nicht jugendfreies Monsterutensil oder Ähnliches darin verbirgt.

Nach einem kurzen Ab- und Umbau wartete nun alles gespannt auf den Headliner des Abends: GHØSTKID. Um kurz nach 21:00 Uhr wurde die Bühne dann auch gestürmt. Es begann eine etwa fünfundvierzigminütige Reise durch das (fast) komplette Debutalbum der Band. Lediglich der Song “Cøld Wørld” bekam keinen Platz in der Setlist, was aber wohl dem Erhalt der sonstigen Energie der Songs geschuldet war, die keinesfalls zu knapp kam. Das Blitzlichtgewitter hätte eigentlich eine Epilepsiewarnung verdient, Bassist Stanni sprang über die Bühne wie ein Flummi und Sänger Sushi schrie sich die Seele aus dem Leib. So rätselten bei “This is nøt Høllywøød” einige, aufgrund der sehr „ruhigen“ Gesangsweise, ob seine Stimme bereits am Ende sei. Glücklicherweise stellte sich diese Vermutung bereits im nächsten Song “Supernøva” als falsch heraus und es gab, mit tatkräftiger Unterstützung des MENTAL CRUELTY Sängers Lukas, wieder volle Granate auf die Zwölf. Auch die Stimmung hatte keinesfalls gelitten und so kommentierte der Sänger einen Plastikbecher, der auf die Bühne geflogen kam, kurzerhand mit: „Ich finde es sehr schmeichelhaft, dass auch bei Social-Distancing Shows Becher fliegen.“, um sich kurz darauf über den darin enthaltenen Shot-Gutschein zu freuen. Vor dem Einlösen fand das Set mit “Zerø” mangels weiterer Songs, wie Sushi auf die „Zugabe“-Rufe immer wieder erwiderte, aber doch sein Ende und entließ die Fans nach einem kurzen Schwätzchen am Merchstand mit einem Lächeln unter der Maske wieder in die Nacht.

Hier die Setlist des Abends:
Føøl, Start A Fight, Crøwn, Sharks, Drty, Yøu & I, This is nøt Høllywøød, Supernøva, Zerø

Für mich war es, trotz der natürlich vorhandenen Einschränkungen aufgrund der Pandemie, ein wunderbares und energiegeladenes Konzert. Besonders positiv muss ich hierbei die Security hervorheben, die ständig ein Auge auf etwaige Verstöße hatte, um direkt einzuschreiten und ebenso positiv fand ich die Band, die nach der Show das Gespräch mit den Fans suchte und nach deren Meinung fragte, um sich so ein Bild zu machen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

Berichterstattung/PhotoCredits: Etienne Kulik