„Was lange währt, wird endlich gut.“ So oder so ähnlich müssen sich wohl viele Fans von HARAKIRI FOR THE SKY getröstet haben, nachdem nun nicht nur ihre Shows aufgrund der immer noch anhaltenden Pandemie verschoben wurden, sondern auch das neue Album „Maere“ durch einen, ebenfalls coronabedingten, Stau im Presswerk so eben mal um drei Wochen verlegt wurde. Am 19.02.2021 ist es aber endlich soweit und das Album wird beim Händler Eures Vertrauens verfügbar sein. Wir von NIC – NordMensch in Concerts durften vorab schon einmal reinhören.

Passend zum zehnjährigen Jubiläum beschert uns das österreichische Post-Black-Metal-Duo das nunmehr fünfte Studioalbum unter AOP Records. Entsprechende Gäste wurden geladen, um eben diesen Geburtstag gebührend zu zelebrieren. An den Drums wurde erneut Kerim „Krimh“ Lechner (SEPTICFLESH, DECAPITATED) verpflichtet, der auch schon beim „Arson“-Album diese Aufgabe übernahm und Neige (ALCEST) sowie die anonyme Stimme von GAEREA für den Gastgesang geladen. Auch bei der Länge des Albums hat man sich nicht lumpen lassen und zum, ebenfalls schon relativ langen, Vorgängeralbum noch einmal eine Schippe draufgepackt, so dass eine imposante Gesamtdauer von fast 85 Minuten das Ergebnis ist.

Den Einstieg bildet I, Pallbearer, welches bereits vorab als erste Singleauskopplung veröffentlicht wurde, aber dennoch einen nicht minder effektvollen Start bietet und den Hörer angemessen auf das nunmehr Kommende einstimmt. Wie bereits gewohnt, ist das Album stark durch die treibenden Drumbeats geprägt, die einen förmlich hindurch peitschen und immer wieder das Tempo anziehen, wenn man gerade einmal kurz zur Ruhe kommt. Hierdurch fühlt es sich fast an, als würde man von einem Unsichtbaren durch ein Labyrinth gejagt, nur dass dieses eben eher den Auswuchs einer dunklen, gepeinigten Psyche darstellt, als einen hübsch anzusehenden Irrgarten. In bekannter Manier bilden die kreischenden, aber dennoch melodiösen Gitarrenriffs von M.S. und J.J.´s Gesang hierfür auch die perfekte Basis und führen den Hörer gemeinsam mit den, abermals vollumfänglich aus der Feder J.J.´s entstammenden Texten in ihre Welt aus Schmerz, Selbsthass und Leid. Gespickt mit einer sehr ALCEST-lastigen, aber recht kurz geratenen atmosphärischen „AHHH“-Passage des Sängers Neige in Sing For The Damage We´ve Done und dem Gastpart des GAEREA-Sängers in Silver Needle – Golden Dawn ergibt sich ein durchgängiges Bild dieser Gefühle, die die Band transportiert, wie kaum eine andere. Die Verluste und den Schmerz spürt man schon unter der Haut, bevor Texte sie offenlegen und so bietet sich die Chance sich vollends „in sie hineinzubegeben und sie zu fühlen“. Diese Stimmung lässt einen nahezu keine Sekunde des Albums hindurch los, wodurch es sich fast wie ein riesiger Song anfühlt, der leider viel zu schnell auf seinen Abschluss hinzusteuert. Zum Ende der Odyssey aus Albträumen wartet die Band noch einmal mit einer kleinen Überraschung auf, welche ein wenig aus der Reihe tanzt: Eine kleine Verbeugung vor der britischen Musikwelt in Form einer Coverversion des PLACEBO-Klassikers Song To Say Goodbye holt nochmal alles an Emotionen heraus, was sich in den Untiefen der eigenen Psyche finden lässt. Die instrumentale Umsetzung geht abermals tief unter die Haut und durch J.J.`s unverkennbaren Gesang erhält der Song einen absolut neuen und persönlichen Anstrich, der rundum gelungen den „mentalen Horrotrip“ und damit das Album zu seinem Ende bringt.

 

FAZIT:
Für mich wieder einmal ein grandioses Album der Band und damit ein würdiger Nachfolger des letzten Albums, der dessen Erfolg (Anm.: #29 in den deutschen Charts) meiner Meinung nochmals steigern könnte. Besonders das Placebo-Cover hat hierbei Stellen in mir berührt, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren. Der persönliche Touch, wie bereits bei Mad World (TEARS FOR FEARS Cover) auf der Vinylausgabe Aokigahara, gibt dem Song eine unverwechselbare Note und schafft es eine noch größere Tiefe zu kreieren, als es sie ohnehin schon im Original gibt. Der einzige Makel des Albums ist aus meiner Sicht, dass der „Fortschritt“ im Vergleich zu seinen Vorgängern fehlt. Das ist einerseits sehr schade, da Entwicklungen innerhalb der Musik immer einen gewissen Pepp geben, andererseits fällt das in diesem Falle nur begrenzt auf, da die Band abermals das gesamte Album hindurch das gewohnt qualitativ hochwertige Level hält und damit ein absolut gelungenes Album abliefert.

Von mir gibt es daher 9 von 10 Punkten