Heute am Wahlsonntag geht es für mich – gefühlt nach einer Ewigkeit – zum KNUST nach Hamburg, um dort auf dem Lattenplatz ein Open Air Konzert zweier Bands zu sehen. Nachdem ich in Schleswig-Holstein in meinem Heimatort beide Kreuze auf dem Wahlzettel hinterlassen habe, reise ich Richtung Hamburg. Um 17:00 Uhr soll Einlass sein und um 18:00 Uhr die Vorband spielen.

Pünktlich erreiche ich gegen 17:00 Uhr den Parkplatz der Rindermarkthalle Hamburg und eile schnurstraks über die Straße zum Lattenplatz. Ein abgegrenzter Bereich mit Bauzäunen kesselt den Vorplatz der Location ein. Inmitten befinden sich aufgestellte Bierzeltgarnituren und große rote Sonnenschirme, die passend zum heutigen Sonnenschein ein wenig Schatten spenden sollen. Sage und schreibe 25 Grad sind es. Genau das richtige Wetterchen für Kaltgetränke und gute Musik. Ein paar wenige Besucher stehen außerhalb des Bauzaunes, so auch meine Begleitung und ich. Gegen 17:00 Uhr hätte bekanntlich Einlass sein sollen, doch es bewegt sich nichts am Eingangsbereich. Auf Nachfrage – so gegen 17:20 Uhr – erhielten wir die Message, dass es sich mit dem Einlass noch um eine Viertelstunde verzögern würde, die Band stand im Stau und dementsprechend stecke man noch in den Vorbereitungen. Gegen 17:45 Uhr wurde dann eingelassen. Wie immer empfing man uns absolut freundlich und aufmerksam. Das habe ich beim Knust bisher auch immer so erlebt – von daher ist dies wirklich meine Hamburger Lieblingslocation. So, nun aber schnell einen Tisch ausgesucht, Platz nehmen und gemütlich machen. Direkt vor der Bühne, was will man mehr. Aber auch jetzt dauert es noch. Ein pünktlicher Beginn zu 18:00 Uhr kann nicht gehalten werden, denn erst jetzt führt man im Speed-Tempo den Soundcheck durch. Wie die kleinen Ameisen tummeln sich Crew- und Bandmitglieder auf dem Bühnenpodest. Die wenigen Besucher, die bereits Platz genommen haben, stört dies herzlich wenig. Wir Norddeutschen sind ja bekanntlich gelassen und so genießt man einfach das spätsommerliche Wetter.

KylesTolone_TribeFriday2021 - TribeFriday8Circa 18:20 Uhr startet dann die junge, optisch wirklich auffallende Band TRIBE FRIDAY. Sie kommen aus Schweden und nach ihrem heutigen letzten Deutschland-Auftritt (hier in Hamburg), geht es noch am gleichen Tage zurück in ihre Heimat. Rosa Sakko, Schachbrettmuster-Overknee-Strümpfe oder aber pinkfarbene Mütze und gleichfarbiger Ohrring, das ist es, was mir nun ins Auge sticht. Bei diesen schrillen Outfits war man doch mächtig gespannt, was nun musikmäßig auf uns zukommen würde. Bis dato war mir die Band nicht bekannt. Schaute man sich aber im Publikum um, so fällt auf, dass die Schweden doch einige Fans vor Ort haben. TRIBE FRIDAY selbst betiteln ihren Musikstil als Bubblegum Emo Indie-Rock. Uns erinnerten sie schon nach dem ersten Song stark an Placebo, auch stimmlich lag das sehr nah beieinander. Mich persönlich beeindruckte das musikalische Können dieser wirklich noch sehr jungen Musiker. Chapeau! Ein Blick zu meinem Gegenüber: Auch dieser nickte bejahend und sein Daumen ging ebenfalls nach oben. TRIBE FRIDAY machen auf jeden Fall richtig Stimmung, bringen Spaß und können wahrlich entertainen. Zwischendurch unterhält sogar der zur Crew gehörende „Video-Man“ mit einigen Flick Flacks vor der Bühne das Hamburger Publikum. Man spürt sofort, die Hamburger haben die vier Schweden augenscheinlich ins Herz geschlossen und die Band das Hamburger Publikum. Selbst den nicht zahlenden Besuchern außerhalb des Bauzaunes, zeigt der sweete Frontmann Noah ein mit seinen Fingern geformtes Herzchen und erklärt in englischer Sprache, er liebe auch die außerhalb Stehenden, da sie ihre Show genießen, auch wenn man dafür kein Ticket erworben hätte. All diese Kleinigkeiten bringen der Vorband einige Sympathiepunkte. Nach einer guten halben Stunde verabschieden sich TRIBE FRIDAY mit ihrem letzten Song “Talk so Loud” (2020 EP Chasing Pictures) von der Bühne, stehen aber nach dem Konzert weiterhin am Merchstand, verkaufen Shirts oder verschenken bunte Aufkleber direkt im Publikum. Mir hat diese bunt-poppig-rockende Band wirklich gut gefallen – ich war angenehm überrascht.

KylesTolone_TribeFriday2021 - KylesTolone2Fast nahtlos, mit einer kurzen Umbauphase von gut 10 Minuten, startet die Hauptband des Abends. Nun kommt die Göttinger Band KYLES TOLONE. Was uns die Band davor an Leichtigkeit und quirligem Entertainment brachte, so wurde es mit dieser Band doch um einiges ruhiger, tiefgründiger, melancholischer, gefühlvoller, aber auch kraftvoll – richtig guter handgemachter Rock klopfte nunmehr an die Tür. Wer auf Bands, wie beispielsweise Biffy Clyro oder aber Kings of Leon steht, ist bei dieser Band genau richtig.

Frontman Eric begrüßt das Hamburger Publikum kurz mit den Worten, dass es wieder einmal schön ist, hier in Hamburg zu sein und er bedankte sich, dass trotz des Wahltages einige hier erschienen sind. Nach dieser kurzen Ansprache geht es auch gleich in die Vollen. KYLES TOLONE – Das sind Eric Pulverich (Gesang, Gitarre), Johann Giertz (Bass), Jan Fischer (Schlagzeug) und Daniel Mau (Gitarre, Keyboard). Heute reisten sie jedoch nach Hamburg ohne ihren eigentlichen Drummer Jan. Dieser wurde aber tadellos vertreten durch Joschka Meier. Es beginnt nun eine musikalische Reise querbeet durch ihr Debütalbum “Of Lovers & Ghosts” und dem aktuellen Album “Low Spirits & Fireworks”. Los geht es mit einer ihrer bekannteren Nummern “Reign Over Me”, auch meine Lieblingsnummer “Black Hole” findet Platz in der Setlist – großartig. Es geht nun songmäßig wirklich Schlag auf Schlag. Fast habe ich ein wenig das Gefühl, man versuche etwas schneller durchzuziehen, um im Zeitplan wieder etwas Luft zu bekommen. Zwischen ein oder zwei Rocknummern gibt es auch immer wieder Platz für ruhigere Songs, wie beispielsweise “Echo” oder aber “Seasons”. Gut gewählt die Songs, allesamt gitarrenstark und prägend untermauert durch Eric´s wunderbare Stimmfarbe. Sie war es auch, die mich eigentlich auf die Band aufmerksam machte. Man zappt ja ab und an durchs Internet (YouTube) und zack – da war diese Stimme und das Augenmerk fiel auf die Göttinger Band. Wie dem auch sei, man konnte bei all diesen Nummern – natürlich sitzend – abrocken, aber auch Minuten innehalten, Augen schließen und dahingleiten. Der Mix macht es! Mittlerweile war es dunkel geworden, die Lichter zauberten eine wunderschöne Kulisse, das Publikum zeigt sich deutlich zufrieden. Da nun doch durch die anfängliche Verspätung der Spielplan ein wenig nach hinten rutschte und ich morgen um 4:00 Uhr aufstehen muss, mein Nachhauseweg nach Schleswig-Holstein ebenfalls ein knappes Stündchen mit sich bringt, muss ich leider nach “Estranged Lovers” die Segel setzen. Aber noch auf dem Fußweg zum Auto, konnte ich auf der anderen Straßenseite “Caravan” hören (auch ein toller Song). Beseelt von guter Musik fuhr ich heim.

Setlist KYLES TOLONE:

Reign over me / Grace / So I lie / Hopeless one / Season / Restless / Black hole / Revive / Colorblind / Echo / Let the cities burn / Till it breaks / Estranged Lovers / Caravan / The void / World outside / Realign

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Fazit: Ein toller musikalischer Ausklang eines Wahlsonntages in Hamburg. Zwei Bands, die unterschiedlicher nicht sein konnten, aber dennoch harmonierten. Beide Bands spielerisch auf einem sehr guten Niveau. Bei einem Ticketpreis von nur 16,00 EUR wurde man mehr als gut unterhalten. Ein wenig mehr Besucher hätte man sich wünschen dürfen für beide Bands, aber es war nun einmal bestes Wetter und ich denke, viele waren auch am Wochenende an die Küste gefahren oder andererorts unterwegs (das konnte man deutlich der Straßensituation anmerken). Die Crew vom KNUST – wie immer super freundlich. Getränke gab es und auch die kleine Wurstbude vor dem Eingangsbereich hatte geöffnet. Ein wenig kehrt Leben in die Kulturbranche zurück. Kleine Events stimmen uns derzeit wieder mehr und mehr zufrieden. Noch ist nicht alles beim Alten. Sitzend derzeit noch in Corona-Zeiten und natürlich oftmals mit einer Handvoll Besuchern. Trotzdem geht es wieder etwas voran, es beseelt Musiker als auch Besucher und jedes Event ist eine kleine Perle in diesen Zeiten. So auch dieses am letzten Sonntag des Monats September 2021.

Berichterstattung / PhotoCredits: Stefanie Preuß (Herausgeberin NIC – NordMensch in Concerts)